• Hinterlässt ein Erblasser mehrere Erben, so bilden diese qua Gesetz eine Erbengemeinschaft.
  • Solange diese nicht auseinandergesetzt ist, gelten die gesetzlichen Regelungen zur Verwaltung. Im Regelfall entscheidet hier die Mehrheit, d.h. insbesondere ist keine Einstimmigkeit erforderlich.
  • Besonders wichtig sind die Fragen rund um das Thema Haftung: hafte ich für Schulden des Erblassers?
  • Ziel der Erbengemeinschaft ist deren Auseinandersetzung.

Erbengemeinschaft

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Infografik: Die Erbengemeinschaft

Die Fakten zur Erbengemeinschaft auf einen Blick: von der Entstehung über die Verwaltung bis zur Auflösung. Verschaffen Sie sich einen ersten Überblick, was eine Erbengemeinschaft ausmacht. Im weiteren Verlauf dieser Seite finden Sie alle Aspekte ausführlich dargestellt und jeweils mit weiterführenden Verweisen zu Spezialseiten versehen.

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Entstehung der Erbengemeinschaft

Eine Erbengemeinschaft entsteht sehr einfach: sind mehrere Personen Erbe eines Erblassers, so sind sie Miterben und bilden damit automatisch und qua Gesetz eine Erbengemeinschaft. Von einem „Willenselement“ hängt dies nicht ab, d.h. der Zwangserbe kann sich hiergegen zunächst auch nicht wehren. Natürlich muss sich niemand zwangsbeglücken lassen, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Erbschaft überschuldet sein kann. Das Gesetz sieht in der Folgezeit die Möglichkeit vor, die Erbschaft auszuschlagen.

Die Berufung zum Erben kann entweder aufgrund gesetzlicher Erbfolge oder durch gewillkürte Erbfolge, in der Regel Testament, erfolgen. Die Ermittlung der Erbfolge übernimmt das Nachlassgericht, angesiedelt beim Amtsgericht. Dieses forscht von Amts wegen auch im Testamentsregister nach, ob der Erblasser ein Testament hinterlegt hat.

Abzugrenzen ist die Berufung zum Erben von der Einsetzung als Vermächtnisnehmer. Im Unterschied zum Erben wird dieser nicht Rechtsnachfolger des Erblassers und tritt damit auch nicht in dessen Rechte und Pflichten ein. Dem Vermächtnisnehmer hingegen steht ein im Testament bestimmter Anspruch gegen den Nachlass zu, beispielsweise hat der Erblasser verfügt, dass sein Enkel eine im Nachlass enthaltene Wohnung bekommen soll.


Der Rechtsexperte Karl-Dieter Möller spricht über Rechte und Pflichten der Erbengemeinschaft, Stellung zu Miterben und Möglichkeiten den Erbteil zu verkaufen. Sehr interessant und eine absolute Empfehlung (Dauer: 7 Min 27; Quelle: ARD Mediathek).

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Verwaltung der Erbengemeinschaft

Das BGB bestimmt unter dem Titel „Mehrheit von Erben“ in den §§ 2032ff BGB die gesetzlichen Regelungen für Erbengemeinschaften. Insbesondere stellt der Gesetzgeber klar, dass es sich hier um eine sog. Gesamthandsgemeinschaft handelt, d.h. der einzelne Miterbe kann ohne die übrigen Miterben nicht über Gegenstände der Erbschaft verfügen. Auch regelt der Gesetzgeber, wie die Erbengemeinschaft während ihres Bestehens verwaltet wird und was hinsichtlich der Haftung für Erblasserverbindlichkeiten gilt.

Rechtsnatur: Gesamthandsgemeinschaft

Der Jurist spricht im Zusammenhang mit der Erbengemeinschaft von einer sog. Gesamthandsgemeinschaft. Im Wesentlichen heißt das: alles gehört allen gemeinsam, nichts gehört einem alleine. Der einzelne Miterbe hat damit keinen Zugriff auf einzelne Vermögensgegenstände innerhalb der Erbengemeinschaft. Diesen hat man nur mit den Miterben zusammen. Konkret: als Miterbe kann man nicht nach Belieben einen Nachlassgegenstand verkaufen. Dies kann allein im Wege der „Verwaltung des Nachlasses“ erfolgen und damit nur mit den übrigen Miterben gemeinsam.

Allerdings! Der Miterbe kann zwar nicht über einzelne Gegenstände innerhalb der Erbschaft verfügen. Er kann aber sehr wohl über seinen Anteil an der Erbengemeinschaft – den Erbteil oder auch die „Beteiligung an der Erbengemeinschaft“ – verfügen und diesen frei verkaufen. Und das ohne Zustimmung der übrigen Miterben.

Verwaltung der Erbengemeinschaft

Nach Anfall der Erbschaft geht es darum, die Zeit bis zur Auseinandersetzung zu überbrücken. Denn erst wenn klar ist, was in der Erbschaft steckt, und alle Nachlassverbindlichkeiten bezahlt sind, kann die Aufteilung des Nachlasses stattfinden. Für diese Zwischenzeit muss verhindert werden, dass Werte abfließen oder Nachlassgegenstände durch mangelnde Verwaltung an Wert verliert. Das gilt sowohl im Interesse der Miterben wie auch von Gläubigern, die noch Geld aus dem Nachlass zu bekommen haben. Typische Beispiele wären ein Wohnhaus des Erblassers, das in Schuss gehalten werden muss, oder eine Mietwohnung, die sinnvollerweise nicht mehrere Jahre ungenutzt leer stehen sollte.

Der Gesetzgeber hat Regelungen geschaffen, die im Grundsatz für die regelmäßige Verwaltung das Mehrheitsprinzip gelten lassen. Das heißt insbesondere dass nicht ein einzelner Miterbe ständig quer gehen kann und die Verwaltung unnötig verkompliziert. Für Maßnahmen der Notverwaltung kann ein Miterbe sogar alleine handeln. Auch hat jeder Miterbe eine Mitwirkungspflicht bei der ordnungsgemäßen Verwaltung.

Nimmt ein einzelner Miterbe berechtigte Verwaltungsmaßnahmen vor, so werden ihm die hierdurch entstehenden Aufwendungen auch ersetzt.

Steuerfragen rund um die Erbengemeinschaft

Die steuerlichen Aspekte sind nicht zu unterschätzen. Beim Anfall der Erbschaft geht es vorwiegend um die Erbschaftssteuer. Während der Phase der Verwaltung können auch Ertragssteuern hinzukommen. Geht es über zur Auseinandersetzung oder dem Verkauf des Erbteils, so kommen u.U. zusätzliche Erträge hinzu. Machen Sie sich mit den steuerlichen Grundlagen zur Erbengemeinschaft vertraut!

Haftung der Erben für Nachlassschulden

Als Erbe tritt man direkt in die Rechtsposition des Erblassers ein, d.h. zunächst einmal dass man für alle Schulden gerade stehen muss. Allerdings schützt das Gesetz den Erben solange, wie der Nachlass ungeteilt ist. Die Erbschaft stellt zunächst ein Sondervermögen dar, die Haftung ist erstmal nur auf dieses Sondervermögen beschränkt.

Aber der Reihe nach. Das Gesetz sieht nachfolgende Schutzmaßnahmen für den Erben vor:

  • Unmittelbar nach dem Anfall der Erbschaft hat der Erbe sechs Wochen Zeit sich zu überlegen, ob er die Erbschaft annimmt oder ausschlägt. Während dieser sechs Wochen kann er nicht in Anspruch genommen werden. Er gilt als vorläufiger Erbe.
  • Im Anschluss an die Annahme der Erbschaft, kann der Erbe die sog. „Dreimonatseinrede“ erheben. Er kann damit die Erfüllung von Nachlassverbindlichkeiten verweigern, § 2014 BGB. Diese Frist dient den Erben dazu, sich einen Überblick über den Nachlass zu verschaffen und insbesondere zu prüfen, ob die private Haftung weiter eingeschränkt werden muss.
  • Neben der Dreimonatseinrede können die Erben die „Einrede des ungeteilten Nachlasses“ erheben, § 2059 Abs. 1 BGB. Diese Einrede erlaubt es jedem Erben, solange der Nachlass tatsächlich ungeteilt ist, seine Haftung lediglich auf seinen Nachlassanteil zu beschränken. Schlimmstenfalls ist der Erbe damit also bei „Null“, in jedem Fall bleibt sein übriges Privatvermögen geschützt. Wichtig aber, diese Einrede gilt nur für den ungeteilten Nachlass. Haben die Erben den Nachlasses bereits verteilt, so kann diese Einrede nicht mehr erhoben werden.
  • Reichen den Erben die drei Monate nicht aus, um sich über die finanzielle Lage der Erbschaft ein umfassendes Bild zu machen, so kann das Aufgebotsverfahren beim Nachlassgericht beantragt werden. Wird der Antrag gestellt, fordert das Gericht öffentlich zur Anmeldung von Forderungen auf, die Dritte gegen den Nachlass haben. Mit Fristablauf ist die Haftung der Erben dauerhaft auf den Nachlass beschränkt. Meldet sich später noch ein Gläubiger, so bekommt er seine Forderungen nur befriedigt, wenn noch Nachlassvermögen vorhanden ist.
  • Ist der Nachlass überschuldet, oder ist er so unübersichtlich, dass dies unklar ist, so kann jeder Miterbe beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Nachlassinsolvenz und Nachlassverwaltung stellen. In diesem Falle ist sichergestellt, dass kein Gläubiger auf sein Privatvermögen zugreifen kann. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass mit diesem Antrag die Verwaltung des Nachlasses an den Nachlassverwalter übergeht, mithin die Erben also den direkten Zugriff darauf verlieren.

Auflösung der Erbengemeinschaft

Das explizite Ziel der Erbengemeinschaft ist deren Auflösung, man spricht gerne auch von einer „geborenen Liquidationsgemeinschaft“. Allein schon weil die, soeben vorgestellten, Regeln zur Verwaltung der Erbengemeinschaft alles andere als praktikabel sind, haben alle Miterben das Ziel sich möglichst schnell voneinander zu lösen. Im Zentrum steht hierbei die gegenseitige Ausgleichung der Vermögensanteile am Nachlass.

Für die Auseinandersetzung gibt es drei Möglichkeiten:

  • Aufteilung der Erbmasse unter den Miterben (Erbauseinandersetzung im engeren Sinn), entweder entsprechend der Teilungsanordnung des Erblassers, nach den gesetzlichen Bestimmungen oder durch einen Erbauseinandersetzungsvertrag zwischen allen Erben. In diesem Zusammenhang sind auch Pflichtteilsansprüche und Vermächtnisse zu erfüllen. Im Rahmen der Auseinandersetzung müssen sich die Miterben auch mit Fragen rund um Ausgleichspflichten, beispielsweise für Pflegeleistungen einzelner Miterben am Erblasser, und Vorabempfängen, d.h. Zuwendungen des Erblassers zu Lebzeiten die auf das Erbe angerechnet werden, beschäftigen.
  • Verkauf des Erbteils: schlicht und einfach, wie der Name schon sagt, ein Erbe verkauft seinen Erbteil an einen anderen Miterben oder einen außenstehenden Dritten. Mit dem Verkauf scheidet er direkt und unmittelbar aus der Erbengemeinschaft aus. Für ihn ist diese damit „auseinandergesetzt“.
  • Die sog. Abschichtung und Anwachsung, d.h. das sukzessive „Auszahlen“ einzelner Erben: Hier verzichtet der betreffende Miterbe gegen Ausgleichszahlung auf seinen Erbteil.

In der Praxis ist die Auseinandersetzung allerdings nicht ganz so einfach umgesetzt, wie die vorausgehende Aufstellung vermuten lässt. Jeder einzelne Miterbe verfolgt eigene Interessen, die schnell kollidieren können. Nicht umsonst hat der ARD-Rechtsexperte Karl-Dieter Möller in obigem Interview formuliert: „Jede zweite Erbschaft bringt die Statik einer Familie ins Wanken“. Der eine Miterbe will tatsächlich einen ganz bestimmten Nachlassgegenstand, weil er ihn an den Erblasser erinnert. Ein anderer Miterbe will möglichst schnell „ans Geld“. Ein Dritter hat noch eine „Rechnung offen“ und zieht die Auseinandersetzung bewusst in die Länge. Möglichkeiten, die Auseinandersetzung zu erzwingen, sind in der Praxis kaum vorhanden. Die Erbauseinandersetzung wird sich zeitlich in die Länge ziehen.

Aktuelle Entwicklungen zur Erbengemeinschaft im HEREDITAS Blog

Das Erbrecht und damit auch das Recht der Erbengemeinschaft entwickelt sich ständig fort. Der Gesetzgeber erlässt neue Vorschriften, die Gerichte fällen in der streitgeneigten Materie laufend wegweisende Entscheidungen und die juristische Praxis und Lehre sucht nach neuen Lösungen. Mit meinem Blog bleiben Sie stets up to date, was sich in und um die Erbengemeinschaft tut. Lesen Sie rein und abonnieren Sie meinen Feed!

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